Ökumenischer Feldgottesdienst
in der Sonnenblumenkirche
2.Juli 2017, 10.30 Uhr
"1250 Jahre Undenheim"
mit dem Evangelischen Posaunenchor
anschließend Umtrunk im Sonnenblumenfeld
Abfahrt mit Traktoren ab Georg-Wiegand-Will-Platz
Kinderbetreuung des Kindergottesdienstes während der Predigt.

sonnblumaltar2

zur Homepage Undenheimer Sonnenblumenfest

"Zum Projekt Mundart in die Kersch"


Mundart in der Sonnenblumenkirche
am 11.Juli 2004

Bis zum Gottesdienst sollte das schöne Wetter dem Wein- und Sonnenblumenfest erhalten bleiben, am frühen Nachmittag dagegen stellte sich starker Regen ein. Wenigstens waren die Mühen der Veranstalter nicht umsonst, sondern der Gottesdienst im Grünen konnte in diesem Jahr wieder am 11.Juli in einem Sonnenblumenfeld, oder der „Sonnenblumenkirche“, wie sie Pfarrer Frank Holzbrecher nannte, gefeiert werden.
Als Gäste sorgten die evangelischen Posaunenchöre aus Schornsheim und Undenheim unter der Leitung von Gerhard May sowie der Kleine Chor für die musikalische Begleitung. Der Kindergottesdienst unter der Leitung von Susanne Seibel gestaltete wieder während der Predigt ein Programm für die Kinder, die das Angebot zahlreich nutzten.
Eingangs überraschte der Pfarrer die Gemeinde mit einer Umfrage, wer denn abends – oder besser morgens – zuvor noch am längsten gefeiert hatte. Auch hier ließen sich in der Gemeinde beachtliche Leistungen feststellen . Nicht ganz so überraschend war die mundartliche Gestaltung einiger Gottesdienstteile, an der sich die Undenheimer Mundartautorin Marie-Luise Brehm und Kirchenvorsteher Gerhard May beteiligten.

Die Predigt griff zunächst ein Thema des Wein- und Sonnenblumenfestes auf, nämlich den Wandel von der Wild- zur Kulturpflanze. Zugleich habe sich allerdings auch der Mensch verändert. Wenngleich er wohl immer schon gefeiert habe, hätten die Formen des fröhlichen Beisammenseins sich ständig gewandelt. So müsse auch die Erzählung um den Zöllner Zachäus im Zusammenhang mit der Feierkultur seiner Zeit betrachtet werden: Damals wie heute habe ein Festtagskalender bestanden, jedoch sei den spontanen Feiern noch viel mehr Gewicht zugekommen – vor allem wegen der noch recht unstrukturierten Öffentlichkeit, die auf Treffen mit auswärtigen Gästen schon wegen der Verbreitung von Nachrichten angewiesen war, die andererseits aber schnell auf die Einkehr eines Gastes reagieren mußte, weil man sich ja nicht durch Brief oder Anruf vorher „ansagen“ konnte.
Welche Rolle kommt der Besuch Jesu bei dem Zöllner Zachäus zu? Die Zöllner im Römischen Imperium verrichteten die lokalen Aufgaben der ritterlichen Steuerpächter, die sich in Rom alle fünf Jahre um die regulären Einkünfte einer Provinz bewarben und die Rechte daran ersteigern konnten. Der Zöllner war sozusagen der vor Ort wahrnehmbare kleine Finger am langen Arm der Politik – nicht mehr und nicht weniger. Augenfällig genug, daß diese Aufgabe fast ausnahmslos zur gesellschaftlichen Ausgrenzung führen mußte.
Jesus sollte allerdings auf gerade diese Person zugehen und ihm bei seiner Wiedereingliederung helfen. Zachäus erkennt seine Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und nimmt sich vor sich zu bessern, weil Jesus Christus ihm gezeigt hat, daß er noch eine Chance hat, die Isolation zu überwinden.
Diese Offenheit sorgt auch heute in allen gesellschaftlichen Gruppierungen, seien es Vereine, Kirchen oder Parteien, für eine gemeinsame Grundlage. Diskriminierung dagegen stellt Einzelne – in Extremfällen auch ganze Vereine – ins Abseits, die dann überhaupt nicht mehr erleben können, daß sie angenommen werden und eine Chance haben. Für uns gilt es heute, Engagement zu zeigen, andere zu achten und zu integrieren. Darin besteht nicht nur ein wichtiger Teil der Arbeit in unserer Gemeinde, sondern dies ist ein wichtiger Teil unserer Gemeinde.
Zum Schluß sangen alle zusammen noch „Geh aus o Herz in die Nadur, do bisde uff de richdisch Spur“, um ein gemeinschaftlich-mundartliches Ende zu finden.
Die Kollekte richtete sich an die „Landwirtschaftliche Familienberatung der Evangelischen Kirche“, an der auch Pfarrer Volker Weinmann, ehemaliger Pfarrer von Undenheim und Friesenheim, maßgeblich beteiligt ist.

 

soblu03c Gottesdienst inmitten der Sonnenblumen,
und der Himmel lachte dazu
Artikel vom 13.7.2003
von Marie Luise Brehm

Diesmal mußten wir mit unserem Feldgottesdienst nicht in die Kirche ausweichen wie im vergangenen Jahr; denn die Sonne strahlte mit den Sonnenblumen um die Wette, und viele, viele waren gekommen. Pfarrer Holzbrecher begrüßte zu Beginn alle Anwesenden, unter ihnen besonders auch die auswärtigen Gäste, die katholischen Mitchristen, den Ev. Posaunenchor wie den „Kleinen ökumenischen Chor“. Vorab dankte er all denen, die vorbereitend mithalfen, daß alles reibungslos klappte, vorwiegend der Landjugend Nazarieberg, die für die Sitzplätze sorgte und Frau Marie-Luise Brehm, die einige Teile des Gottesdienste in die rheinhessische Mundart übersetzt hatte.
soblu03d
Dem Eingangslied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen...“ mit einer Strophe extra aufbereitet für diesen besonderen Gottesdienst, folgten weitere Besonderheiten: Psalm 23 in rheinhessischer Mundart „Gott, du bis zu mer wie en Hirt zu seine Schafe....“, Geh’ aus o Herz in die Nadur, do bisde uff de richdisch Spur....“ (Geh’ aus mein Herz und suche Freud).und noch ein Gebet „Gott, du bist aafach wunderbar....“. Anfängliche Befürchtungen, man könnte es vielleicht nicht verstehen oder gar mitsingen, oder aber „es käme nicht an“ erwiesen sich als grundlos. Alle sangen mit, und die Reaktionen waren durchaus positiv.

Der Predigt von Pfr. Holzbrecher lag das Lied von Paul Gerhard „Geh aus mein Herz und suche Freud...“zugrunde. Er spannte den Bogen von der Entstehung des Liedes - kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges bis in die heutige Zeit und beleuchtete einzelne Facetten besonders. So hatte Paul Gerhard das Lied ursprünglich für seine Frau geschrieben, die krank und bettlägerig den Tod ihres gemeinsamen Kindes betrauerte. Die Landschaft und die Natur waren seinerzeit weitgehend ruiniert infolge der langen Kriegseinwirkung, und das heutige Rheinhessen war ganz besonders davon betroffen, die soblu03bBevölkerung so gut wie ausgelöscht. Die beschriebene Vielfalt der Natur sollte neue Hoffnung wecken, der „Garten der Natur“ nur ein Vorgeschmack auf den himmlischen Garten sein. Aus dem Lied wurde nicht nur eine Mundartversion, sondern auch ein Protestsong in jüngster Zeit, in welchen Naturschützer nur Negatives verpackten, was nicht unbedingt Hoffnungen aufkommen läßt.
Dies ließ Pfarrer Holzbrecher feststellen: Überließe man die guten, fetten Böden Rheinhessens sich selbst, entstünde eine Holundersteppe. So erging sein Dank an die Landwirtschaft, die dies mit dem Anbau der verschiedensten Feldfrüchte verhindere. Neue Kraft schöpfen in der Natur, dies treffe eher den Kern des Liedes von Paul Gerhard und dies komme auch in der Mundartfassung gut zur Geltung.
Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Ev. Posaunenchor unter der Leitung von Gerhard May, wie auch dem „Kleinen Chor“, ebenfalls unter der Leitung von Gerhard May mit einem gesungenen „Irischen Segenswunsch“ und dem Lied „Träume im Wind“, was den Gottesdienst im Sonnenblumenfeld besonders festlich gestaltete.

soblu03a

sonnblumaltar1