Pfarrer Dr. Frank Holzbrecher, Dipl.Psych.
Buchveröffentlichungen:
"Paulus und der historische Jesus", TANZ 48, Tübingen 2007
"Erprobungsgesetz und die Folgen, " Sozialwissenschaftliche Untersuchung der EKHN-MItarbeiterInnen, Darmstadt 1998
"Belastung, soziale Unterstützung und psychisches Befinden. Eine Untersuchung auf dem Land", Marburg a.d.L. 1987
"Ist das Kurzzeitgedächtnis ein einziges System?"; Marburg a.d.L. 1984

Als ich diese Worte hier schrieb, habe ich mich gefragt: Was wollen Sie wohl über den Pfarrer von Undenheim und Friesenheim wissen? Dass ich in Marburg, Heidelberg und Mainz Theologie studiert habe? Dass ich 2006 bis 2009 meine Doktorarbeit im Neuen Testament an der Universität Heidelberg geschrieben habe? Dass ich unter anderem in der Wormser Magnusgemeinde, im Dekanatsjugendpfarramt in Gau-Odernheim, in der Grund- und Hauptschule Flonheim, in den Kirchengemeinden Albig und Heimersheim, in der psychiatrischen Rheinhessen-Fachklinik und im DRK-Krankenhaus Alzey sowie in der Kirchenverwaltung in Darmstadt als Pfarrer gearbeitet habe? Oder eher etwas lustiges, etwa, dass ich seit dem 19. Lebensjahr bereits um 2 cm geschrumpft bin (auf 188 cm) ?

Jedenfalls heiße ich Frank Holzbrecher, geboren bin ich in Frankfurt-Höchst, sozusagen mit Blick auf die Farbwerke Hoechst, wo mein Vater auch beschäftigt war. Mein Vater war viele Jahre als Verfahrenstechniker im Ausland eingesetzt, und so verbrachte ich praktisch meine ganze Kindheit und Jugend im Ausland, zunächst die Grundschulzeit in Beirut im Libanon. Terrorismus gab es im Nahen Osten schon damals, allerdings waren die Fanatiker damals meist Kommunisten oder Nationalisten. Eine solche Terror-Gruppe sprengte das Haus unseres Nachbarn gegenüber mit einer Autobombe in die Luft, bis auf die Mutter kam die ganze Familie und alle Bediensteten und Leibwächter ums Leben. Der Vater, ein demokratisch gesinnter Palästinenser-Führer, hatte nur einen "Fehler" gemacht, er wollte mit Israel verhandeln. Seine jüngere Tochter war in meinem Alter und wurde nur 8 Jahre alt. Bei uns waren zwar alle Fenster kaputt und alles voll Glas, aber wir waren Gottlob unverletzt. Auch der Schock hielt sich in Grenzen, denn wir hatten uns längst an die dauernden Schießereien und Scharmützel gewöhnt.
Als es dann aber im Libanon immer unsicherer wurde und der Bürgerkrieg sich ankündigte, zogen wir nach Istanbul in die Türkei. In Istanbul besuchte ich die deutsche Schule, bin aber natürlich trotzdem vom orientalischen Lebenstil dort sehr geprägt worden. In der Türkei spielten damals allerdings die Islamisten noch keine Rolle, einmal besuchte uns ein islamischer Geistlicher mit seinen 3 unverschleierten Töchtern und spielte der Gesellschaft zum Tanz auf, denn die Musik war sein Hobby und Toleranz sein Lebensmotto.

Pastor Boardbreaker and Crew Winter 2012
Deutschland kannte ich im Grunde vorwiegend als Ferienreiseziel, das änderte sich erst in den letzten Schuljahren, die ich in Oberbayern am Chiemsee verbrachte, in einem Internat. Dort habe ich die Hobbies entdeckt, denen ich bis heute treu geblieben bin: Skifahren und Gitarre spielen. So leitete ich seit 1989 die Kirchenband "ZiGZaG", die leider seit 2013 nur noch im Studio aktiv ist, und produziere seit 1983 unter dem Label "Holzbrecher" eigene Musik. Bis 2012 war ich in meinen Sportarten noch selbst aktiv, doch dann war es aus gesundheitlichen Gründen damit leider vorbei. Bis 2014 war ich dann noch unter dem Label Boardbreaker Productions als Kameramann für aufstrebende Freestyle-Talente im Einsatz. Daraus hatte sich seit 2011 unser kirchemitherz webTV entwickelt, das immer noch weitergeführt wird und auf der Startseite angewählt werden kann.

Ich stamme aus einem Elternhaus, in dem Gott und Kirche schon seit zwei Generationen kaum noch wichtig waren. Mein Großvater ist schon kurz nach dem 1.Weltkrieg als von der Kirche enttäuschter Soldat aus der Kirche ausgetreten. Immerhin war meine Oma Lisa Holzbrecher damit nicht einverstanden und bemühte sich nach Kräften uns den christlichen Glauben zu vermitteln - obwohl Sie in Ihrer Jugend mit der Sozialistin Rosa Luxemburg in Frankfurt für die Arbeiterrechte demonstriert hatte. Ihr schlichter und inniger Glaube an "das Gute, die Nächstenliebe und Gott" hinterließ bei mir aber einen tiefen Eindruck, der mir bis heute wichtig ist.
Ich selbst habe aber nach dem Abitur als überzeugter Atheist zunächst Psychologie studiert, mußte aber in einer Krise schmerzhaft erkennen, daß es mir ohne die Hoffnung auf einen guten Gott und auf ein Leben nach dem Tod nicht möglich ist, einen Sinn im Leben zu entdecken. Ich fühlte mich schon bald zum Pfarramt der Evangelischen Kirche berufen, weil ich diese Erfahrung weitergeben möchte, vor allem an Menschen denen die Kirche so fremd ist, wie damals mir. Ich möchte gerne, daß die Menschen von heute in der Kirche vorkommen und die moderne Welt, in der wir alle leben. Da leider viele heute nur noch dann in unsere Kirchen kommen, wenn sie einen konkreten Anlaß haben, sind mir Gottesdienste mit konkreten Anlässen besonders wichtig: Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung, aber auch Festgottesdienste in Zusammenarbeit mit Vereinen am Ort der Feste, spezielle Gottesdienste für Familien mit kleinen Kindern, Jubiläum von Konfirmation oder Hochzeit, Sportplatzgottesdienst, Erntedankgottesdienst und anderes mehr.
Genauso wichtig ist mir natürlich auch die seelsorgerliche Betreuung der Menschen in der Gemeinde. Meine Erfahrung ist dabei, daß es vor allem auf einen offenen und freundlichen Umgang mit den einzelnen Menschen ankommt, denn oft ist es vor allem das Zuhören, was Menschen in Zeiten des Leides am nötigsten brauchen.

Als Mitarbeiter habe ich den Weg in die Kirche über die Mitwirkung in den Posaunenchören von Lampertheim und Albig und über die evangelische Jugendarbeit gefunden. Dort habe ich festgestellt, dass erst die Arbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Gemeinde lebendig macht. Deshalb ist die Betreuung, Ausbildung und Gewinnung von engagierten Menschen ein Schwerpunkt meiner Arbeit in der Kirche. Ich möchte gerne, daß diejenigen, die sich für die Kirche engagieren auch für sich selbst etwas gewinnen. Das können ganz verschiedene Dinge sein: etwas Geselligkeit und Spaß zu erleben, das Gefühl etwas wichtiges für andere tun zu können, sich weiter zu entwickeln, beruflich oder privat, zu lernen, Gruppen zu leiten oder vor vielen Menschen zu reden und Ihnen etwas positives über Gott, sich selbst und die Welt mitzuteilen. Genau das möchte ich nämlich auch für mich selbst und die "goldene Regel", die Jesus uns für unser Leben ans Herz gelegt hat, lautet doch "Behandelt die Menschen so, wie ihr von Ihnen behandelt werden wollt."
(Matthäusevangelium 7,12)


Gott segne Sie !

Ihr Pfarrer Dr Frank Holzbrecher


Pastor Boardbreaker and Crew summer 2012