Hilfe für Atom-Opfer: "GOMEL"
In Memoriam Gertrud Voelckel (1926-2017)

Unser ältestes Spendenprojekt

Kontaktperson: Pfarrer Joachim Schuh, Alzey,
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Das Leben der kranken Kinder in Weissrussland hängt davon ab

Von Fabian Berg (2006)

Mit Genehmigung der Allgemeinen Zeitung Alzey


Pfarrerin Voelckel packt eine Kiste mit Medikamenten für
die Kinderkrebsstation des Krankenhauses in Gomel.
Bild: Schmitz


Seit 18 Jahren liefert eine Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde Alzey und der pensionierten Pfarrerin von Undenheim und Friesenheim, Gertrud Voelckel lebensnotwendige Medikamente zur Kinderkrebsbehandlung ins weißrussische Gomel - eine Region, die bis heute von den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe geprägt wird.
Mit mir im Bus sitzen die Initiatoren: die pensionierte Undenheimer Pfarrerin Gertrud Voelckel, der pensionierte Alzeyer Chefarzt Ulrich Graeber und die Apothekerin Ingrid Helmbold sowie die Dolmetscherin Irina Feskova und der Chefarzt Dr. Victor Motorenko, ein Freund und Vor-ort-Koordinator der Initiative. Bis heute hat die kleine Alzeyer Initiative Medi-kamente im Wert von einer halben Million Euro nach Gomel geliefert. Finanziert durch Spenden. In all den Jahren, die sie nun nach Gomel reise, hätten sich die Lebensbedingungen der Menschern deutlich verbessert, bilan-ziert Voelckel. Gleichwohl seien die Folgen des Tschernobyl-Unglücks mancherorts offensichtlicher denn je, weil die Langzeitwirkung erst heute zutage treten würden.
Als Block IV vor 20 Jahren explodierte, erfuhr die Bevölkerung im Gomelgebiet erst spät davon. Dr. Victor Motorenko, der jetzt die psychiatrische Klinik in Gomel leitet erzählt: „Erst als die Sicherheitsdienste eine Woche später ins Bezirkskran-kenhaus kamen, um unsere Vorräte an Jodtabletten zu konfiszieren, haben wir gemerkt, dass da etwas nicht stimmte.“ Damals gab es in Gomel noch keine Kinderkrebsstation. Später kümmerte sich das Bezirkskrankenhaus um diese Kinder. Seit wenigen Jahren gibt es nun eine neue Klinik für Opfer von Strahlenerkrankungen am Rand der Stadt, in die auch die Kinderkrebsstation umgezogen ist. Finanziert wurde das Krankenhaus auch aus internationalen Hilfsgeldern.
Als Dr. Dimitri Novik die Alzeyer begrüßte, sagte er: „Liebe Freunde, Sie helfen unseren Kindern sehr. “ Viele der Kinder würden mit einer akuten Leukämieerkrankung und Metastasen in das Krankenhaus eingeliefert. „Wir haben hier eine gute Diagnostik, aber Probleme mit den Medikamenten, die in Russland hergestellt werden“, erklärt Novik und ergänzt: “Von einigen Medikamenten, die wir aus Alzey bekommen, hängt das Leben der Kinder ab.“ Allein im ersten Halbjahr 2006 kamen fast ein Dutzend mit Leukämie neu auf die Station. In den Kinderzimmern findet sich kaum Persönliches, gemalte Bilder an den Wänden gibt es nicht. „Es ist nicht erlaubt, die Zimmer zu schmücken,“ weiß eine Mutter. Die Kinderstation beschäftigt jedoch eine Erzieherin und eine Psychologin zur Bertreu-ung der Kinder. Gleichwohl gibt es keinen Austausch zwischen diesen Fachkräften und den Ärzten. Die meisten der tödliche erkrankten Kinder sterben hier auf der Station. Dies sei für alle Beteiligten, auch die Krankenschwestern, eine große Belastung, er-klärt Dr. Novik . Viele Krankenschwestern und Ärzte würden deshalb Stationen mit weniger Erkrankungen vorziehen, so Novik weiter. Die Folge sei dauernder Personalmangel.

Gomel - Initiative

* Seit 18 Jahren bereits gibt es die Gomel-Initiative der evangelischen Kirchengemeinde in Alzey. Bis heute wurden Medikamente im Wert von einer halben Million Euro nach Weißrussland geliefert.
* Die Gomel-Initiative ist weiterhin auf Spenden angewiesen: Sparkasse Worms-Alzey-Ried, Konto 4010401, BLZ 55350010.

ältere Artikel

Es nähert sich der 15. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Der Reaktor ist jetzt abgeschaltet, jedoch die Geschichte der Katastrophe noch nicht zu Ende. Millionen Büger in der Ukraine, Weißrussland und Russland bekommen noch die Folgen von Tschernobyl zu spüren. Etwa 55.000 der eingesetzten 831.000 "Liquidatoren", die in die Unfallzone geschickt wurden verstarben inzwischen an Strahlenkrankheiten. Das russische Katastrophenschutzmnisterium spricht vo insgesamt über 300.000 Tschemobyl - Toten.
Der Schock, den die Reaktorexpiosoin verursacht hat und der bei jedem Atommülltransport hierzulande wieder spürbar wird, hatte eine bereite Solidaritätsbewegung gegenüber den Menschen der Tschernobylregion hervorgebracht. So waren seither 270.000 weißrussische Kinder zur Erholung im Westen (nach Gennadif Gurschewoj, Minsker Prof. f. Philosophie u. ehem. Parlamentsabgeorneter).
Die Evangelische Kirche unterstützt seit Jahren solche Aktionen. In unserer Gegend ist die frühere Pfarrerin von Undenheim und Friesenheim, Gertrud Voelkel mit dem Projekt "Gomel - Hilfe für die Atomopfer" sehr aktiv. Zusammen mit vielen Mitarbeiter(innen) sammelt sie Geld und medizinische Sachspenden zur Unterstützung des Krankenhauses sowie eines Walsenheimes für Kinder und Jugendliche in Gomel/Weißrussland.

Frau Pfarrerin im Ruhestand Gertrud Voelkel ist viel unterwegs. Wenn sie nicht gerade in Weißrussland ist dann hat sie den ganzen Sommer über weißrussische Gäste zu Besuch. Das Haus ist groß, es kommt Krankenhauspersonen mit Familie und Dolmetscherin unter.

Frau Voelckel, wie Ihr Engegement in Weißrussland begonnen, wo liegt das Krankenhaus, das Sie unterstützen, was ist die Besonderheit ihres Projekts ?
G. Voelkel:
Bezirkskrankenhaus Gomel, 80 KM von Tschernobyl. Gomel hat 600.000 Einwohner. Vor 12 Jahren ging die Initative im Dekanat Oppenheim vom christlichen Friedensdienst aus. Ich habe mich bei denen beworben, so nach dem Motto, bin jetzt im Ruhestand und möchte noch etwas Sinnvolles tun für den Rest meines Lebens. In der Kirchengemeinde Alzey haben wir ein logistisches Dach.
Die Hauptlast liegt jetzt eigentlich auf der privaten Initiative von eigenen Leuten. Sehr wichtig isz die Hilfe vom Chefanasthessist der Uniklinik Frankfurt, Dr. Krieg. Dorthin kommen Ärzte aus Gomel, Chirurgen, Orthopäden, Hämatologen und können kostenlos hospitieren, (beim Onkologen Prof. Dr. Hölzer und anderen Ärzten). Man kann ruhig erwähnen, dass die Unterkunft om Schwesternheim Prof. Dr. Krieg persönlich bezahlt. Verpflegung wird ebenfalls gestellt. Früher hat uns das Diakonissenkrankenhaus in Frankfurt unentgeltlich die Unterkunft gestellt - nach dem Umbau ging das nicht mehr Eine weißrussische Ärztin erlernte hier die Knochenmarktransplanation, so konnte eingien Kindern das Leben geretter werden. Wir haben auch Medikamente und technisches Gerät geliefert - 4 Narkose und Beatmungsgeräte, die uns die Universität Frankfurt schenkte. In Gomel war von früheren 7 nur noch ein OP benutzbar, durch unsere Geräte waren dann wieder 5 im Einsatz.
Große Unterstützung bekommen wir auch von Dr. Kern un dem Alzeyer Krankenhaus, der uns entsprechend der Bedarfsliste aus Gomel für 80.000 DM Medikamente im Apothekenwert 350.000 DM besorgt hat.

Wir transportieren Sie die Geräte, woher nehmen Sie die Unterstützung ?
G. Voelkel:
Mit der Lufthansa Karlsruhe - wir bekommen Tickets zum halben Preis und Medikamentenfracht ebenfalls zum halben Preis. Woher das Geld kommtm wissen wir vorher auch nicht, zu Weihnachten von paar Leuten, Spenden von Pfarrn (Kollekten), Erlös der Basare einiger Landfrauen. Eine Diakonische aus Bad Herrenalb hat mehrmals 1.000 DM gespendet, bei eigenem Taschengeld von 200 DM monatlich, ich fahre auch viel in der Gegend herum, zeige Dias und halte Vorträge, so kommen im Jahr so 80.000 DM zusammen.

 

Artikel aus der Allgemeinen Zeitung

Ihre Liebe gilt den Kindern

Gertrud Voelckels unermüdlicher Einsatz für Gomel

uta. - Der Türdrücker summt: "Kommen Sie rein, ich bin am telefonieren", tönt es aus der Sprechanlage. Im Gespräch macht es sich Gertrud Voelckel auf dem Sofa bequem. Doch der Schein trügt: Zeit zur Erholung gönnt sich die emeritierte Pfarrerin selten. "Ich halte fast jeden Sonntag Gottesdienste und leite Seniorenfreizeiten", erzählt sie. Wenn Kollegen verreisen, übernimmt die 74 Jährige die Vertretungen. Und als Seelsorgerin ist sie bis heute gefragt.

Internatsleiterin
Nach Abitur und Arbeitsdienst wollte die gebürtige Alzeyerin eigentlich Germanistik studieren. In Freiburg. Aber 1945 war dort kein Zimmer zu finden. So entschied sie sich für die Volksschullehrer Ausbildung, besuchte das Lehrerseminar in Mainz und wurde mit 21 Jahren Internatsleiterin im Alzeyer Pädagogium. Sie wohnte im Schloss und betreute Mädchen, zu denen sie noch heute Kontakt hat. "In den ersten Jahren", so erinnert sich die weißhaarige Dame an das Vorgängermodell des Aufbaugymnasiums, "bereitete die Einrichtung ihre Absolventen auf die Aufnahmeprüfung, der pädagogischen Hochschule vor erst später konnte man hier ein volles Abitur machen."
In den 20 Jahren ihrer Lehrerinnenkarriere war Gertrud Voelckel Schulleiterin und Ausbilderin. Irgendwann wurde ihr die Tätigkeit "ein bisschen zu langweilig", und so raffte sich die resolute Dame mit 40 Jahren zu einem weiteren Studium auf. Nach dem Unterricht fuhr sie nach Mainz und belegte Lehrveranstaltungen in Theologie und Geschichte. Als sie das Examen für die höhere Schule in der Tasche hatte, bot sich eine ganz neue Perspektive: Der Pfarrberuf war plötzlich auch für Frauen offen, und die Kirche suchte händeringend nach Hirten für vakante Stellen.
Gertrud Voelckel machte ein Praktikum in Rüsselsheim ("Morgens Schule, nachmittags und abends Gemeinde"). Das Vikariat blieb ihr erspart. "Wenn Sie Lücken haben, können Sie das Predigerseminar besuchen", hieß es. "Doch die Gemeinde akzeptierte mich so, wie ich war", schmunzelt Gertrud Voelckel. Auch im Pfarrdienst hielt es die stellvertretende Dekanin später nicht allzu lange an einem Ort aus. Den Jahren in Wallertheim folgte die Krankenhausseelsorge in Bad Schwalbach, und bis zur Pensionierung war Gertrud Voelckel in Undenheim/Friesenheim tätig.


Hilfe für Krebsstation

Heute engagiert sich die rüstige Frau mit, der tiefen Stimme im Besuchsdienst des DRK Krankenhauses. Ihre Hauptaufgabe sieht sie jedoch im unermüdlichen Einsatz für die Kinderkrebsstation des Krankenhauses in Gomel, Weißrussland. Für Dima, die zwölfjährige Tochter eines dortigen Arztes, hat sie eine Patenschaft übernommen, die Familie ist oft zu Gast bei ihr. Einmal im Jahr reist Gertrud Voelckel, die eine Partnerschaft zwischen Kirche und Ärzten ins Leben rief, in das vom Tschernobyl-GAU geschädigte Gebiet. In Zusammenarbeit mit der Rheinhessen Fachklinik organisiert sie jährlich Medikamente im Wert einer sechsstelligen Summe. Außerdem sucht sie nach Spendern, die sich an der Fertigstellung eines Therapiebads beteiligen.

Ein reiches Leben

Im Rückblick auf die vergangenen 60 Jahre zieht Gertrud Voelckel eine positive Bilanz "Summa summarum ein reiches und erfülltes Leben - ich habe meine Wege eigentlich nicht bereut." Dass der Krieg ihre Jugend bestimmt, ja zerstört hat, verschweigt die alte Dame nicht. Denn auch in ihrem Leben gab es einen Mann, mit dem sie gerne eine Familie gegründet hätte - wenn er von der Front zurückgekehrt wäre.